Aktionsbündnis Holtkamp-Ströhen

Der Naturraum Hollen-Holtkamp-Ströhen: artenreich und entwicklungsfähig

  • Am Lichtebach in Holtkamp, Foto: Kathrin Weber
  • gegenüber von Deterings Wiesen, Foto: Sabine Wegener
  • Ströher Feuchtwiesen, Foto: Christof Schmitz
  • Ströher Feuchtwiesen, Foto: Christof Schmitz
  • Lachmöwen am Heideweiher, Foto: Sabine Wegener

Die Feuchtwiesen Ströhen wurden 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen, fast gleichzeitig mit den benachbarten Naturschutzgebieten „Schunkenteich“ und „Am Lichtebach. Ihr Ziel war es, die in unserer Gegend damals häufig in Ackerland umgewandelte Dauergrünlandflächen für die davon abhängigen Wiesenbrüter (Kiebitz, Brachvogel, Steinkauz, Bekassine…) zu erhalten. Aber auch für das Rebhuhn und die Heidelerche erwies sich der Schutz der Flächen als vorteilhaft. Ebenso können zahlreiche Pflanzen von der extensiven Bewirtschaftung profitieren: Heilziest, Teufelsabbiss und Silbergras.

Ernteverzichtsbrache, Foto: Ching-Ho Chuang

Artikel des Nabu: Landwirtschaft und Artenvielfalt

Extensiv bewirtschaftete Wiesen am Lichtebach in Hollen, Foto: Sabine Wegener

Alte bäuerliche Kulturlandschaft…

Die Landwirtschaft hat über Jahrhunderte, ja Jahrtausende nicht nur die lokale Bevölkerung ernährt, sondern auch erheblich zum Artenreichtum beigetragen. Landwirtschaft öffnete Waldflächen und schuf eine Vielfalt von Lebensräumen. Es entstanden kleinräumig angelegte Kulturlandschaften, in denen Wiesen, Feldwege, Felder, Baumgruppen, Blänken, Teiche und Bäche sich mit Hofanlagen und kleinen Häusergruppen abwechselten, und einer Vielzahl von Tieren Raum zum Leben boten. Aber unsere Art, Land zu bewirtschaften, veränderte sich im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft. Die Flächen wurden größer, die Fruchtfolgen eintöniger, vieles, was dem größtmöglichen Ertrag im Wege zu stehen schien, wurde aus der Landschaft geräumt.

In Hollen-Holtkamp und Ströhen ist vieles davon noch erhalten geblieben. Viele Landwirte fanden glücklicherweise auch schon früh andere Einkunftsmöglichkeiten und nutzten die Flächen nicht intensiv. So fand der Naturschutz, als in den 80ziger Jahren vermehrt Schutzgebiete ausgewiesen wurden, hier noch eine solide Basis vor, auf deren Grundlage auch in den letzten Jahren weitere Schutzflächen ausgewiesen/angelegt werden konnten. Viele ehemalige Landwirtsfamilien, aber auch Haupterwerbslandwirte sind dem Natur- und Artenschutz sehr aufgeschlossen und bewirtschaften (selbst oder durch Pächter) die Flächen nach Vertragsnaturschutzprinzipien. Neben den Flächen direkt am Lichtebach und etwas südlich davon (als Lichte-Niederung wesentlicher Bestandteil des Biotopverbundes) ist als herausragende Schutzfläche v. a. Austmanns Heideweiher zu nennen, der sich in wenigen Jahren zu einem bemerkenswerten Biotop entwickelt hat.

Viele der z.T. schon sehr alten Höfe sind von der Rinder-Weidewirtschaft mittlerweile auf Pferdehaltung umgesattelt, zumal die ausgedehnten Ausreitmöglichkeiten in schöner Landschaft, auf Wirtschafts- und Feldwegen, für viele Reiter attraktiv sind. Rauchschwalben, Steinkauz, Gartenrotschwanz, Goldammern u.a. profitieren davon, dass einige Höfe, die Stallanlagen und die Beweidung der Flächen weitergeführt werden. Wie üblich in dieser Gegend gibt es zahlreiche private kleine Halter von Schafen, Gänsen, Enten oder Hühnern – für Feldspatzen, Hausspatzen immer ein gefundenes Fressen.

Teufelsabbiss in Feuchtwiese in Holtkamp, Foto: Kathrin Weber
Weidefläche am Lichtebach, Foto: Kathrin Weber
Heideweiher, Foto: Petra Hagemeier

Der Naturraum Hollen-Holtkamp-Ströhen erstreckt sich auf einer Fläche von ca. dreieinhalb mal drei Kilometer und ist er einer der größten und auch der letzten unzerschnittenen Räume der Umgebung. Das Wachstum der Stadt Bielefeld, die vielen neuen Industriegebiete in Ummeln, Steinhagen-Brockhagen, das Wachstum der Siedlungen bei Isselhorst und der Straßenbau, dabei vor allem die A33, haben viele Naturflächen zerstört. Hollen, Holtkamp und Ströhen ist mehr oder weniger die letzte Zufluchtsmöglichkeit für viele unserer tierischen Mitgeschöpfe. Letztendlich wundert es nicht, wenn jede Fläche, die in Hollen, Holtkamp und Ströhen neu naturverträglich bewirtschaftet wird, sehr schnell von vielen Tierarten besiedelt wird.

Pferdehaltung für Landwirte ist wichtiger Zuerwerb oder sogar Haupterwerb geworden, Foto: Ching-Ho Chuang