„Grüner Strom vom Norden in den Süden“ – das ist in Kürze das verheißungsvolle Narrativ – suggeriert es doch eine Art „grünes Band“, das von der Nordsee bis in den Süden reicht und beide miteinander vielleicht sogar verbindet, genau wie Amprions Werbespruch „Amprion verbindet“, der Amprion ja regelrecht eine soziale Aufgaben zuschreibt. Im Fall des Infrastrukturausbaus werden dadurch eine Menge Beton, sehr viel Stahl, Leitungsmaterialien und viele stark belastete und sogar zerstörte Flächen ausgeblendet – von einem grünen Band kann keine Rede sein.
Die „Macher“ des Stromnetzausbaus sind die großen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet, TransnetBW und 50Hertz. Diese sind alle Anfang der 2000er Jahre aus den ursprünglichen Energiekonzernen RWE, Eon, Vattenfall etc. hervorgegangen und sind nur für das Stromleitungsnetz zuständig. Jeder private oder kleinere gewerbliche Stromkunde zahlt Netzentgelt, das über die Stromrechnung abgerechnet wird. Ein Großteil des Einkommens der ÜNB berechnet sich daher. Aktien der Stromnetzbetreiber bieten hohe Renditen. Die ÜNB haben schon qua ihrer Aufgabe, enge Beziehungen zu staatlichen Stellen. Die Beschleunigungsgesetze tragen deutlich die Handschrift der ÜNB. Bei Organisationen, die gegen Lobbyismus arbeiten, wie Lobby-Control, liegen mittlerweile zahlreiche Anfragen zu den vier ÜNB vor.
Beitrag des DLF Kultur Der Beitrag des Deutschlandfunk Kultur von 2020 stellt ein gutes und immer noch gültiges Resümee der Infrastrukturpolitik dar.
So teuer war der Stromnetzausbau 2021: Meldung des BdEW
Der folgende Artikel berichtet vom Stromnetzausbau in Baden-Württemberg dpa-Meldung auf ZEIT.de
Eine generelle Sichtweise auf den Infrastrukturausbau und wie er bestmöglich realisiert werden kann, stellt auch das Positionspapier des Nabu dar: Positionspapier des Nabu zum Infrastrukturausbau
Stellungsnahme 2023 des BUND zum Infrastrukturausbau Dieses ist nicht die erste Stellungnahme (und vermutlich auch nicht die letzte, die der BUND zum NEP schreiben wird).
https://www.umweltbundesamt.de/themen/infrastruktur-umweltgerechter-planen
„Geschichtliches“: Wieviel Strominfrastruktur braucht Deutschland?
Bis vor die letzte Bundestagswahl war das noch eine Streitfrage, über die gute Wissenschaftler redlich stritten. Die eine Seite – z.B. vertreten durch den BUND – sah den durch die Große Koalition geplanten Netzausbau, insbesondere die sog. „Stromautobahnen“ schon 2016 als übertrieben an. Der BUND mahnte den großen Flächenverbrauch ebenso an wie die Kosten und riet dazu, mehr in das Verteilnetz zu investieren als in die großen Strom-Autobahnen.
Mit dem Infrastrukturausbau waren, wie der Beitrag des DLF Kultur erläutert, von Anfang wirtschaftliche Interessen verknüpft, so unter anderem die Versorgung der großen Industrieunternehmen im Süden Deutschlands zum gleichen Preis wie die im Norden. Im Norden lässt sich dank Wind Strom zu einem günstigeren Preis erzeugen als im Süden. Und so wurde die Idee, den günstigen Strom von der Nordsee in den Süden zu leiten, geboren. Kein Wunder, dass vor allem die CSU den Bau von Stromautobahnen wollte – ein grünes Projekt war das anfangs auf jeden Fall nicht.
Was außerdem hineinspielte, war die Idee eines europaweiten Stromnetzes. Die Vorstellung, dass Europa über alle Ländergrenzen hinweg auch bezüglich seiner Stromnetze vernetzt ist, mag für manche nach grenzenloser Sorglosigkeit klingen. Aber ähnlich wie bei Straßen wird es ab einer gewissen Entfernung notwendig, immer mehr zu bauen, damit alles stabil bleibt und alles sich gut verteilt.
Letztendlich übernahm das grüne Wirtschaftsministerium die Politik der Vorgänger. Statt den BUND und die Mehrheit der Wissenschaftler einzubeziehen, hörte Habeck auf das ursprünglich eigentlich wenig beachtete „Öko-Institut“, das im massiven Ausbau eine Notwendigkeit sah. So wurde der Stromnetzausbau nicht beschränkt, sondern sogar zu einem der wichtigsten Ziele der Regierung erklärt – und angesichts der Tatsache, dass hier ein CDU-SPD-Projekt fortgeführt wurde, gab es keinerlei Probleme mit kritischen Fragen der Opposition.
Für die deutschen Übertragungsnetzbetreiber ist die Attraktivität eines europaweiten Stromnetzes auf jeden Fall sehr hoch, garantiert sie ihnen doch grenzenlosen Stromhandel.
Enorme Kosten…
2016 waren nur drei deutsche Stromautobahnen geplant, jetzt, 2023, nimmt der NEP über 700 Seiten ein und haben sich die Kosten von damals 16 Milliarden Euro auf über 128 Milliarden vervielfacht (wenn man die Off-Shore-Netze einbezieht, dann noch deutlich mehr). Der Infrastrukturausbau verschlingt damit den Etat etlicher Bundesministerien auf Jahre. Dieser Betrag wird auf die Verbraucher umgelegt, nur größere Firmen können vom Infrastrukturausbau profitieren, weil sie ihn im Vergleich nur minimal bezahlen müssen. Theoretisch können die Beträge für den Netzausbau auf 40 Jahre abgeschrieben werden. Die ÜNB verdienen alleine schon durch den Bau.
…und noch größerer Flächen- und Ressourcenverbrauch
Die Flächen, die der Infrastrukturausbau benötigt, sind gewaltig. Es ist derzeit ein Ausbau von ca. 13.000 km geplant. Rechnet man eine Breite von 30 m (dieses entspricht dem Graben bei der Erdverkabelung), so kommt man alleine schon für die Netze auf 390 km². Dieses entspricht der Fläche aller deutschen Autobahnen zusammen. Hinzu treten zahlreiche energietechnische Anlagen. Schätzt man grob dafür 10 ha = 0,1 km² pro alle 50 km, kommt man auf weitere 26 km². Letztere Flächen sind für die Natur verloren, zumal die ÜNB die sog. „Grüne-Wiese-Planung“ wortwörtlich nehmen, denn damit müssen vorhandene Strukturen nicht mit erhalten werden. Dieses spart vor allem beim Betrieb Kosten und ermöglicht eine bedeutende Flexibilisierung.
Der Infrastrukturausbau verschlingt zahlreiche Ressourcen: Stahl, Beton, Leitungsmaterial, Kies und Sand. Die Grundelemente müssen gefertigt und transportiert werden. Zur Anlieferung müssen oft schwerlastfähige Straßen gebaut werden. Es liegen keine genauen Zahlen zum erwarteten Verbrauch bei den geplanten 13.000 km vor. Dass dieser massive Netzausbau aber seine Zeit brauchen wird, bis er klimaneutral geworden ist, steht leider außer Frage.
Noch 2017 wurde zumindest vom Bundesumweltamt gefordert, bei allem, was gebaut wird, genau zu überlegen, ob es gebraucht wird oder nicht. Mittlerweile scheint die Politik aber alles brauchbar zu finden, was die ÜNB vorschlagen.

Eine Gruppe von Bürgerinitiativen, die gegen Südostlink vorgeht, hat auf dieser Homepage ihre Erfahrungen mit 50Hertz detailliert festgehalten.

Das Aktionsbündnis „Trassengegner“, in dem sich zum größten Teil Südlink-Gegner organisiert haben, hat auf seiner Homepage zahlreiche Fälle und Hinweise zum Infrastrukturausbau dokumentiert. Verhinderung unnötiger Trassen ist das erklärte Ziel des Aktionsbündnisses.
