Aktionsbündnis Holtkamp-Ströhen

Klimaschutz und Naturschutz

Klimawandel…

entsteht durch CO2 (und auch Methan und diversen anderen chemischen Verbindungen) in der Atmosphäre. Eine Reduktion dieser klimaschädlichen Gase ist unabdingbar ebenso wie der Erhalt/Wiederaufbau wachsender Wälder, extensiv bewirtschafteter Feuchtwiesen oder die Wiedervernässung von Mooren, die sehr gut CO2 speichern können.

Weniger wird aber darüber nachgedacht, dass jede von uns Menschen für unsere Zwecke und entgegen ihrer natürlichen Funktion verwendete Fläche dem Klimawandel nicht mehr viel entgegenzusetzen hat. Die Zerstörung natürlicher Lebensräume, gerade von bedrohten Arten – denn deren Lebenräume sind sehr selten geworden – trägt auch zum Klimawandel bei.

Der Klimawandel ist ein Symptom der fortschreitenden Naturzerstörung

Die intensive Flächennutzung unserer Landschaft hat sich seit dem 2. Weltkrieg in einem rasanten Tempo entwickelt. Für Wohnungen, Industrie, Freizeit und Verkehr und sonstige Infrastruktur wurden enorme Flächen versiegelt. In der Landwirtschaft wurden viele Wiesen- und Weideflächen zu teureren Ackerflächen umgewandelt. Viele Landstriche sind heute im Vergleich zu damals kaum mehr wiederzuerkennen.

Damit verbunden ist oft eine Art von Kettenreaktion: Mehr Straßen führen zu mehr Verkehr. Mehr Straßen führen zu mehr Gewerbeflächen oder allgemeinen Siedlungsbau. Mehr Gewerbeflächen und Siedlungen verlangen mehr Straßen, mehr sonstige Infrastruktur.

Je intensiver eine Fläche von uns genutzt wird, desto mehr trägt sie zur CO2-Produktion bei.

Ökosystemschutz ist immer Klimaschutz

In qualitativ gut erhaltenen Ökosystemen sorgen eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten für ein Gleichgewicht. Je stärker sie beeinträchtigt werden, je weniger Flächen ihnen zur Verfügung stehen, desto empfindlicher werden diese gegenüber weiteren Störungen. Eine Kleinigkeit kann dann dazu führen, dass das System „kippt“. Oft sind zunächst „nur“ andere Tiere/Pflanzen betroffen, aber dieses kann dazu führen, dass Bäume aufgrund von Schädlingsbefall früher absterben, Böden unfruchtbar werden – oder eben Obstbäume nicht mehr befruchtet werden. Ist der Prozess erst einmal in Gang gesetzt, wird es schwer, ihn zu stoppen.

Was Ökosysteme für uns leisten, ist letztendlich sehr komplex und in vielen Details noch nicht erforscht. Und anders als die Hitzewellen des Klimwandels ist das Artensterben leise. Wer die ganzen Tierarten, die stark oder vom Aussterben bedroht sind, noch nie gesehen hat, wird auch nicht merken, wenn sie verschwunden sind.

Aber ohne eine ausreichende Menge an qualitativ gut erhaltenen Ökosystemen werden auch die Überlebenschancen der Menschen deutlich geringer – ganz abgesehen von der Lebensqualität. Es mag sein, dass man mit Klimaanlagen in heißen Sommern für Kühlung in Innenräumen sorgen kann – Bäume, kühlendes Wasser erfüllen diese Aufgabe z.T. effektiver.

Wie man es dreht und wendet: Technologie kann nur ein Teil unserer Bemühungen sein, um den Klimawandel zu stoppen. Die Erhaltung von Natur – und dazu zählen ausreichend, in Bezug auf Natur entwicklungsfähige Flächen, ausreichend Verbindung zwischen den Flächen (Biotopverbünde) – ist wenigstens genauso essentiell. Allerdings kann man damit kein Geld verdienen, ja, die menschliche Expansion muss eigentlich gebremst werden. Und gerade in Zeiten von Krisen besteht bei vielen Menschen keine Bereitschaft, zurückzustecken und der Natur etwas zu gönnen.

Und es gibt noch mehr Gründe für den Artenschutz


Ökonomische Gründe ergeben sich aus der Notwendigkeit, Naturgüter zu nutzen, und zielen darauf ab, die Grundlagen für eine funktionierende Wirtschaft zu erhalten. Der langfristigen, nachhaltigen Sicherstellung der Nutzbarkeit kommt dabei besondere Bedeutung zu – ihr stehen nach wie vor oft überbewertete, meist mehr oder minder kurzfristige Nutzungsinteressen des Einzelnen oder einzelner Gesellschaftsgruppen entgegen. Aus ökonomischer Sicht ist Naturschutz unter anderem nötig, um
•   die Ernährung des Menschen sicherzustellen,
•   Rohstoffe zu erhalten, z.B. Holz, aber auch die Vielfalt an Inhaltstoffen von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen als Basis für Arzneimittel,
•   das genetische Potential einschließlich der unzähligen an lokale Standortverhältnisse angepassten Formen weiterhin nutzen zu können, z.B. in der Tier- und Pflanzenzucht,
•   essentielle abiotische Ressourcen wie Boden, Wasser und Luft zu schützen,
•   weiterhin von Ökosystem-Leistungen, beispielsweise der Bestäubung von Obstbäumen durch Bienen und Hummeln, zu profitieren – alleine in den USA erbringen Insekten jährlich Leistungen im Wert von über 57 Milliarden US Dollar!
Auch die Natur selbst kann ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein, z.B. im Tourismus.

Forschungsbezogene Gründe beruhen auf der Notwendigkeit, natürliche Verhältnisse als Grundlage für Forschungen zu bewahren. Nur anhand intakter Ökosysteme ist es möglich zu verstehen, wie unbeeinflusste Natur funktioniert. Das Wissen über natürliche Wirkungsgefüge kommt wiederum der menschlichen Gesellschaft zugute.

Umweltpsychologische Gründe zielen – einschließlich ästhetischer Begründungen – auf die Wohlfahrtswirkungen von Natur und Landschaft auf den Menschen. Intakte Natur wirkt positiv auf Wohlbefinden und Lebensqualität und ist ein wichtiger Faktor für die physische und psychische Gesundheit des Menschen. Wir alle profitieren von naturnahen Landschaften, zB wenn wir uns im Grünen erholen.
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Kulturhistorische Gründe fordern den Erhalt gewachsener Landschaften, die durch menschliche Nutzung entstanden sind. Dies gilt z.B. für die traditionelle Kulturlandschaft Mitteleuropas, wo Jahrhunderte lange, standortangepasste Bewirtschaftung vielfältige Lebensräume hervorgebracht hat, die nur durch eine Weiterführung der Nutzung erhalten werden können. Kulturelle Naturschutzbegründungen spielten bereits im Heimatschutz eine wichtige Rolle – es wurde eine maßvolle Nutzung der Natur unter Beibehaltung althergebrachter Traditionen – ohne hemmungslos auszubeuten und zu zerstören – gefordert.

Ethische Gründe sehen den Umgang mit der Natur als Spiegel der Gesellschaft und gehen von der Verantwortung des Menschen aus, seine Mitgeschöpfe zu erhalten. Die Natur muss entweder um ihrer selbst Willen geschützt werden, weil alle Organismen ein Recht auf Leben haben, oder zumindest um die Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu erhalten. Jeder sollte deshalb so handeln, dass die Natur nicht bzw so wenig wie möglich beeinträchtigt wird..
nach: http://www.naturtipps.com/naturschutzbegruendungen.html