9 ha oder mehr? Wird noch mehr gebaut werden?
Und warum wurden überhaupt drei Suchräume angegeben?
Amprion hatte schon bei der öffentlichen Vorstellung im April 2023 durchblicken lassen, dass die Fläche in Blankenhagen, wenn auch von Amprion selbst als Suchgebiet bzw. potentieller Standortraum, angegeben, zu klein sei. Die Größe dieser zusammenhängenden, freien und im Regionalplan durch nichts überplanten Fläche beträgt aber über 19 ha. Wieviel Fläche möchte Amprion wirklich haben? In der Bauausschusssitzung in Steinhagen Ende September 2023, antwortete der Projektleiter Michael Weber von Amprion auf diese Frage, dass alle zwei Jahre neu geschaut werde, und ein klares Nein insofern nicht der Wahrheit entspräche.
Was die Flächen in Künsebeck angeht, so können sie aufgrund der Flurbereinigung, die dort wegen der A33 stattfindet, zur Zeit weder erworben noch enteignet werden. In Blankenhagen scheint ein Wohngebiet geplant zu sein. Warum also dieses Versteckspiel mit drei Suchräumen? Vermutlich wäre Amprion schon von Anfang an auf deutlich mehr Protest gestoßen, wenn das Unternehmen seine Pläne für den Phasenschieber offengelegt hätte. Ganz davon abgesehen, könnte bei einer sehr konkreten Standortfestlegung berechtigter Einspruch, auch bei der Bundesnetzagentur erhoben werden. Einen dritten Punkt gibt es außerdem: Der Suchraum Hollen-Holtkamp-Ströhen ist sehr groß – aber es sind nur Flächen im Nordosten des Suchraumes angefragt worden. Evtl. wird auf den anderen Flächen einfach schon die Kartierung für weitere Projekte mit vorgenommen? Dieses kann auch auf die anderen Suchräume zutreffen.
Warum fand Amprion erst so spät heraus, dass auf diesem Netzabschnitt ein Phasenschieber gebraucht wird?
Amprion selbst hat als Begründung vorherige nicht korrekte Berechnungen angegeben. Inwieweit das bei einem Konzern, der für minutiöse Vorausplanung bekannt ist, wahrscheinlich ist, ist eine interessante Frage. Zuständige Stellen bei der Stadt Ennigerloh zumindest wussten nichts von einem konkreten Phasenschieberprojekt und auch im Ratsinformationssystem der Stadt ist nichts zu finden. Vielleicht war Enniger nur ein Platzhalter? Möglich ist ja auch entweder ein Zusammenhang mit den Beschleunigungsgesetzen und die damit auch einhergehenden Schwächung der Naturschutzgesetze oder aber die in Reichweite kommende Realisierung der Leitung von der Nordsee bis nach Gütersloh. Oder es geht um ein ganz anderes Projekt.
Wusste wirklich vorher niemand etwas von Amprions Planungen?
Man kann es nur so ausdrücken: Es gibt viele Gerüchte (und das ist in einem solchen Fall auch normal), aber keinen einzigen Beweis, dass eine offizielle Stelle eine Ahnung hatte. Wir untersuchen hier selbst noch weiter und finden auch immer wieder interessante Details.
Wird der Phasenschieber wirklich gebraucht? Gibt es noch andere Baumöglichkeiten?
Amprion lässt für das Unternehmen überraschend lange kartieren – warum?
Warum legt Amprion seine Karten nicht offen auf den Tisch?
Ob ein Phasenschieber generell für die gesamte Netzstrecke von Wehrendorf bis nach Gütersloh gebraucht wird, ist möglich. Ob er allerdings unbedingt auf dem jetzt gewählten Netzabschnitt stehen muss, ist fraglich. Die Begründungen im NEP sind nicht wirklich stichhaltig und wirken lapidar. Sollte sich herausstellen, dass der Phasenschieber nicht auf diesem Netzabschnitt gebaut werden muss, ließe sich die Anlage auf alten Kraftwerksstandorten (bei Hamm oder Minden) realisieren lassen würden. Dabei könnten alte Generatoren weiterverwendet werden. Ansonsten gibt es aber auch andere, sowohl flächen- als ressourcenschonende Baumöglichkeiten (z.B. FACTS-Systeme), die einen Bau in Hesseln oder Blankenhagen erlauben würden. Es gibt vielerlei Möglichkeiten, Flächen und Natur zu schonen. Die Frage ist vielmehr, wie man Amprion dazu bekommt, diese Möglichkeiten auch wahrzunehmen. Große Konzerne sind leider oft nicht besonders flexibel.
Die Phasenschieber befinden sich im 2. Entwurf des NEP, der am 20. November 2023 in die Genehmigungsphase übergeht. Vor Ende des Jahres ist eine Genehmigung noch nicht wahrscheinlich – das Unternehmen kann mit dem offiziellen Verfahren erst im Januar 2024 beginnen.
Strominfrastrukturausbau ist verständlicherweise in der Bevölkerung nicht beliebt. Selbst angenommen, dass ein Projekt sinnvoll ist, so haben doch wenige die Konsequenzen für viele zu tragen. Und dieses gilt umso mehr, als Amprion und auch die anderen ÜNB die für sich selbst beste Lösung durchsetzen wollen, die oft nicht die beste Lösung für die Natur oder für die Anwohner ist, sondern meist mit Genehmigungsverfahren, Flächengrößen und Kosten zu tun hat. Man muss auch sehen, dass Amprion sich letztendlich – wenn sie alle Karten offen legen würden – sehr kritischen Fragen stellen müssten – bezüglich der Projekte, aber auch der Umsetzung.
